Acquedotto

Sulmona in der Zeit des römischdeutschen Reichs (1194-1266)

Die Stadt von Sulmona ist tief vom Einfluss des Heiligen Rӧmischen  Reichs (HRR) geprägt.

Während der Regentschaft des Kaisers Friedriech II. (HRR) erreichte die Stadt den Gipfel in allen Bereichen: Handel, Handwerk und Kunst. Dank der Institution des Giustizierato [1], eines Lehrstuhls für kanonisches Recht und einer der sieben jährlichen Messen im ganzen Königreich, bekam diese Stadt den Vorrang in ihrem Land.

Es ist trotzdem schwierig, Nachweise aus dieser Zeit zu finden. Wegen vieler Zufälle (u.a. die „vendetta angioina“[2], der Lauf der Zeit und die Nachlässigkeit des Menschen) sind leider alle Nachweise dieser Periode und alle Denkmäler dieses Kaisers verloren.

Belege dieser Epoche existieren hauptsächlich in Papierform, beispielsweise im Archiv der Sankt Panfilo Kathedrale sind zahlreiche Pergamente aus dem HRR bewahrt. Unter den Werken dieser Zeit gibt es das monumentale mittelalterliche Aquädukt.

Das Aquädukt in Sulmona

Dieses Werk wurde im Jahr 1256 während der Regierungszeit von  Manfred, Sohn des Kaisers Friedriech II. (HRR) gebaut.

Es wurde wegen praktischer und funktioneller Gründe geplant: es sollte Wasser vom Fluss Gizio (ca. 10 Km südlich von Sulmona) in die Stadt bringen, um die angebauten Felder zu bewässern und als Energiequelle für die Handwerker zu dienen.

Der Bau dieses Aquädukts erforderte viele Ressourcen, deswegen wurde es ein Symbol des Wohlstands der Stadt für die Bürger und Besucher.

Merkmale und Betrieb

“Das Aquädukt von 1256 ist ein gutes Beispiel für die mittelalterliche Bautechnik. Es besteht aus einem Weg mit drei unterschiedlichen Segmenten: das  erste (76,10 m. lang) besteht aus 15 Spitzbögen unterstützt von Kämpfern mit 5,10 m. Radstand; das zweite (24,38 m.) aus 5 Bögen mit der  gleichen Form und Radstand der vorangehenden (außer den zwei Bögen neben dem Brunnen del Vecchio, sie sind ca. 90 cm. enger); das dritte ist nur 4,92 m. lang und besteht nur aus einem Rundbogen. Sein endständiger Kämpfer vermengt sich mit der Struktur des Brunnens del Vecchio.

Die drei Seiten unterschieden sich auch im Gefälle des Kanals (0,909% des ersten Bogen, 3,157% des Zweites, 5, 823% des Drittes).

Der Höheunterschied zwischen dem Anfang und dem Ende der 106 m. langen Wasserleitung beträgt 1,65 m.; aber das Wasser fließt  im ersten Abschnitt nur 70 cm. abwärts.

Genaue Untersuchungen zeigen, dass die Kämpfer viereckige Teile  haben. Die Breite dieser Teilen ist im Bereich von 1,27 m. und 1,32 m. und sie sind im Abstand von 3,85 m. und 2,92 m.  gestaffelt. Die Höhe der Säulenfüße ist unterschiedlich  und sie kragen 10 cm. pro Seite aus. Auf der oberen Seite der Bögen gibt es einen Stab im Stichbogen.

Der Kanal (mit Zementplatten bedeckt) hat eine 0,34 m. Höhe und 0,30/0,50 m. Trapezsektion als Basis. Diese Größe erlaubt eine Durchflussmenge von fast 130 Liter pro Sekunde, d.h. 468 Kubikmeter pro Stunde und mehr als 11.000  Kubikmeter pro Tag.“[3]

Diese technischen Daten wurden von dem Ing. Fulvio Di Benedetto veröffentlich und lassen uns über die Realisationsschwierigkeiten dieses imposanten Werkes aus dieser Zeit staunen.

Auf diese Weise wurde das Wasser vom Fluss Gizio durch den „Großen Kanal“ ins Fluss Vella übertragen[4].

Struktur

Das Bauwerk besteht aus 21 Spitzbögen aus Bruchstein, auch genannt „li Colossi[5]. Zwischen dem 7. und dem 8. Bogen kann man einen Gedenkstein sehen, auf dem einige Leoninische Verse[6] in langobardischer Schrift geschrieben sind:

Hier läuft der Fluss;

er sieht die riesige

unvergängliche Mauerstruktur.

Sie ist der Stolz der Einwohner der Stadt, deren Fleiß

ermöglichte ihre Realisation mit derartiger Form.

Es stellt Kunst von Durante und gleichzeitig,

ein nützliches Ornament der Stadt dar.

Corre di qui il fiume;                                                             [1]

guarda l’eccelso grado
di questa imperitura muraria struttura.
È lode dei Sulmontini, la cui operosità
volle si realizzasse, portando a tal forma,
per arte di Durante innalzando,
utile ornamento della Città.

Ein einzigartiges Element dieser Epoche ist der Name des Architekten am Ende des Epigrafs, Durante.

Es wird vermutet , dass der letze Bogen neben dem Brunnen del Vecchio später als die anderen gebaut wurde, da er anders als die anderen ist. Diese Unterschiede werden normalerweise als ein Ergebnis von späterer Restaurierung betrachtet.

Die Wichtigkeit dieser Arbeit wird durch die Tatsache offensichtlich, dass die Bögen und die Struktur intakt sind, trotz der zahlreichen Erdbeben, die es in dieser Stadt gab. Das größte war im Jahr 1706 und danach wurde die Struktur verändert und restauriert[7].

Im Jahr 1962 wurden einige Gebäude entfernt, die die Hälfte dieses Werks versteckten (auch dank dem Beitrag von Cassa per il Mezzogiorno[8]) .

Das Aqädukt wird heute nicht mehr benutzt, aber ist trotzdem ein gutes Beispiel der Kunst und Technik dieser Zeit. Es ist eines der beeindruckendsten  Werke der Stadt.

Durch eine elegante Freitreppe (von germanischen Künstlern gebaut), kann man vom Corso Ovidio direkt in den Garibaldi Platz laufen. Man kann bis zum „Fontanone“ (ein großer Brunnen) weiter spazieren und dort den Blick zu den Bergen (Morrone) wenden. Auf diese  Weise mischen sich Kunst, Geschichte und Natur miteinander.

 

[1] Giustizierato ist der Verwaltungsbezirk im Sizilien Königreich. Es wurde von einem königlichen Beamter (der Giustiziere) regiert.

[2] Die Rache der Angiò: historisches Ereignis der XIII Jh. durch das die Stadt wurde beschädigt.

[3] “Uno splendido esempio di ingegneria medioevale” von Fulvio Di Benedetto, in Ezio Mattioco (herausgegeben von), Sulmona in età sveva, Sulmona, 1995, p.55.

[4] Ivi, p. 55-57.

[5] Li Colossi: Dialektische Ausdruck für die Kolossen (Anmerkung der Übersetzerin)

[6] Leoninischer Vers: Hexameter oder Pentameter, dessen Mitte und Versende sich reimen (Definition von Duden online)

[7] Ivi, S. 39.

[8] Program (von 1950 bis 1984), das spezielle Arbeite in Süditalien realisieren sollte. Für weitere Informationen: http://www.treccani.it/enciclopedia/cassa-per-il-mezzogiorno/

[9] Mattiocco, Papponetti 1996, S. 74.


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Das mittelalterliche Aquädukt Sulmona von Antonella Capaldo übersetzt von Chiara La Vella wird unter den Creative Commons Attribuzione – Non commerciale – Non opere derivate 4.0 Internazionale Lizenz veröffentlicht.

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